



Im Folgenden lesen Sie einen Text von Eike Christian Hirsch über die Skulptur der Tanzenden Weserratte
Tanzende Weser-Ratte, 2009
Bewegliche Stahlplastik
am Ufer der Weser, Hameln
Edelstahl, H 9,0 m
Im Jahre 2006 wurde von dem Verein Ratten-Festival-Hameln e.V. ein Wettbewerb ausgeschrieben, denn es sollte die Plastik einer Ratte aufgestellt werden. Von der Jury gewählt wurde dieser Vorschlag einer beweglichen, heiter und selbstbewusst wirkenden Ratte aus glänzendem Edelstahl.
Eigentlich hat die Ratte das Image eines hässlichen, unangenehmen Tiers. Umso mehr sollte hier eine Form gefunden werden, die Sympathie weckt, weil sie lustig, freundlich und aufmunternd wirkt. Also musste sie tanzen! Und damit sie tanzen kann, musste sie beweglich sein.
Tatsächlich scheint das Tier übermütig zu tänzeln, weil sich jedes seiner sechs Teile frei und eigenständig bewegt, selbst im leichtesten Wind. So wandelt sich dauernd sein Anblick. Doch wie immer sich dabei die Gestalt verändert, sie bleibt gut erkennbar als kecke, aufrechte Ratte, Symbol der Stadt des berühmten Rattenfängers.
Ursprünglich war an einen Standort im Wasser der Weser gedacht, aber die Verankerung erwies sich als zu aufwendig. Nun steht die Plastik auf einem Betonsockel am Schleusenufer, und von der Brücke und vom anderen Ufer ist gut zu erkennen, wie das Spiel ihrer Bewegungen sich im Wasser spiegelt.
Man kann von einem senkrechten Mobile sprechen, und möglicherweise gibt es bislang keine vergleichbaren Objekte. Die Teile laufen um einen stehenden Stab auf Kugellagern. Solche Beweglichkeit ist entscheidend bei einer Plastik dieser Größe, denn sie macht das ganze lebendig, während ein statisches Objekt von neun Metern Höhe durchaus zu schwer wirken könnte; auch würde es Wind und Wetter zu viel Angriffsfläche bieten.
Konstruktion und statische Berechnungen waren überaus kompliziert, zumal keine Erfahrungen mit ähnlichen Herausforderungen vorlagen. Es ist allein dem international renommierten Ingenieur Hans Böckler, grbv Hannover, zu verdanken, dass dieses Werk in die Tat umgesetzt werden konnte.
Eike Christian Hirsch
Entstehungsgeschichte
der "Tanzenden Weserratte"
2003 gründeten Dr. Franz-Josef Vonnahme und Irina Teichert den Verein "Ratten-Festival-Hameln e.V., der sich zur Aufgabe stellte, Kunst und Kultur zum Thema "Ratte in Hameln" zu fördern.
2004 organisierte der Verein das Rattenfestival. Durch Spender finanziert konnten Künstler aus Norddeutschland 67 Rattenskulpturen gestalten, die im Sommer die Innenstadt Hamelns zur Galerie umwandelten. In über 100 Presseberichten und 4 Fernsehsendungen fand die Aktion bundesweit Beachtung.
2005 wurden die Ratten versteigert, wodurch ein Erlös von ca. 50.000 € erzielt werden konnte. Mit diesen Mitteln und weiteren Spenden ausgestattet, entstand der Plan, ein bleibendes modernes Kunstwerk einer Ratte auf der Weser zu installieren.
2006 wurde der Entwurf der "Tanzenden Ratte" von Elena Glazunova in einem Ausschreibungsverfahren ausgewählt.
2008 erwies sich der ursprüngliche Plan, die Ratte auf die Weser zu stellen, als undurchführbar. Als idealer Standort wurde eine kleine Weserinsel in Hameln gefunden.
2009 Errichtung der Skulptur.
Hameln und die Ratte
Auf die Frage, welches Tier man mit der Stadt Hameln in Zusammenhang bringt, erhält man stets die spontane Antwort: die Ratte.
Sicher trägt der weltweit hohe Bekanntheitsgrad der Rattenfängerfigur zu dieser Assoziation bei. Die Bewohner Hamelns haben sich bislang mit der Ratte kaum anfreunden können. "Wir haben doch den Rattenfänger, wozu brauchen wir die Ratte?" – hört man oft. Allerdings ohne Ratte - kein Rattenfänger.
Der kleine nachtaktive Nager, der bei vielen Menschen Abscheu und Ekelgefühle hervorruft, hat es bei uns schwer, gewürdigt zu werden. Da hatten es der Löwe und der Adler, als König der Tiere bzw. der Lüfte, leichter, es zum Wappentier zu schaffen. In anderen Kulturen gilt die Ratte als heilig.
Man muss die Ratte weder niedlich finden noch lieben, um sich mit ihr als Künstler oder als Betrachter eines Kunstwerkes auseinanderzusetzen.
Jedenfalls ist die Stadt Hameln prädestiniert als Standort für eine Rattenskulptur.
Die Skulptur - technische Daten
Die Skulptur besteht aus V2 –Edelstahl.
Um eine zentrale Achse drehen sich 5 einzelne Elemente verschiedener Form und Größe. Durch Kugellager können sich die schweren Teile leicht im Wind bewegen. Das Ohr ist am Kopf angebracht und ebenfalls drehbar.
Alle Bauteile sind zweischalig ausgeführt. Die maximale Bauteildicke beträgt 24 Zentimeter.
Die Skulptur ragt mit insgesamt neun Metern in die Höhe. Der Schwanz ist ca. fünf Meter lang.
Der Fuß der Skulptur ist drei Meter hoch und berücksichtigt damit das mögliche Hochwasser innerhalb von 50 und 100 Jahren.
Das Gewicht der Skulptur einschließlich des Betonfundamentes beträgt ca. 13,4 Tonnen. Der Sockel wiegt 11,2 Tonnen und wurde mit 4,8 Kubikmetern Beton erstellt.
Eine Beleuchtung der Ratte für die Nacht wird gerade eingerichtet.
Dr. F.-J. Vonnahme
